Geschichtliche Essenz No.69 – Heute vor 100, 50 und 25 Jahren!

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11. APRIL 1914

Höhepunkt der in Berlin eröffneten Ausstellung der Berliner Freien Sezession ist das bisher im Deutschen Reich noch nicht gezeigte, im Besitz der Hamburger Kunsthalle befindliche Werk „Spazierritt“ des französischen Impressionisten Auguste Renoir.
In einem in Athen unterzeichneten Abkommen erklärt sich Griechenland bereit, Serbien im Freihafengebiet von Saloniki Grundstücke zur Anlage von Lagerhäusern abzutreten, dem serbischen Binnenhandel Steuer- und Abgabenfreiheit sowie verbilligte Bahntarife in Griechenland zu gewähren. Das ehemals osmanische Saloniki war während des Ersten Balkankrieges 1912 von dem mit Serbien verbündeten Griechenland erobert worden.

11. APRIL 1964

Bei der Deutschen Werft in Hamburg läuft der Supertanker „Altanin“ vom Stapel. Das Schiff ist 265 m lang, 36 m breit und hat einen Tiefgang von 13 m.
Portugal und Frankreich schließen ein Abkommen, das Frankreich die Einrichtung von Kontrollstationen für Raketenexperimente auf den Azoren gestattet.
Der Felbertauerntunnel, der das Felbertal mit dem Tauerntal verbindet, wird durchschlagen. Er ist mit 5,2 km der bisher längste Straßentunnel Österreichs.

11. APRIL 1989

Das Exekutivkomitee der europäischen Fußballunion UEFA beschließt die Wiederzulassung der englischen Fußballclubs zu den europäischen Pokalwettbewerben zur Saison 1990/1991. England war nach der Katastrophe im Brüsseler Heysel-Stadion (29. Mai 1985) ausgeschlossen worden, bei der während des Europacupfinales zwischen Juventus Turin und FC Liverpool 38 Menschen getötet worden waren.
In Ost-Berlin beginnt eine zweitägige Außenministerkonferenz der Staaten des Warschauer Pakts. In einem Appell „Für eine Welt ohne Kriege“ verlangen die Außenminister verstärkte Anstrengungen für die Erhaltung des Friedens und fordern die NATO zu baldigen Verhandlungen über eine Reduzierung der taktischen Kernwaffen in Europa auf.

Wissensessenz No.4

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DIE BART-AUSSAGE, ODER DER ALTGERMANE IM NEUZEITLICHEN MANN!

Männer, die richtige Männer sein wollen, tragen heute Vollbart. Grund genug zu erklären, woher es kommt, dass Männer glauben, mit Bärten besser auf Kaperfahrt gehen, Weiber lieben und Branntwein trinken zu können.

Nach altgermanischer Vorstellung galt der Bart als wichtigster Teil des Männergesichts. Beim Barte wurde geschworen. Nur der Freie durfte ihn tragen. Knechte und Gefangene hingegen wurden geschoren. Wer dem Herrn „um den Bart ging“, also dem Zeichen seiner männlichen Würde schmeichelte, wollte ihn ehren – daher heute der Ausdruck: Wenn man einem mit der Hand um den Bart geht, will man ihn umschmeicheln. Wer sich damals den Bart unbeschnitten wachsen ließ, war meist in Trauer. Oder er schwor sich, den Bart so lange nicht zu schneiden, bis ein bestimmter Wunsch in Erfüllung gegangen war. Ein Ritual, das heute beim Nachfolgesport der altgermanischen Kampfspiele, nämlich dem Fußball, sehr beliebt ist.

Und noch eine haarige Geschichte: Weil sich früher die Gelehrten nicht über die recht sinnlose Frage einig werden konnten, welche deutschen Kaiser einen Bart getragen hatten und welche nicht, sprechen wir heute von „um des Kaisers Bart streiten“, wenn wir über eine belanglose Sache stundenlang diskutieren. Sicher ist, dass Kaiser Wilhelm der I. (1797 bis 1888) Vollbart trug. Von diesem haarigen Prachtstück hatte sein Enkel, Kaiser Wilhelm II., die Nase gestrichen voll. „So’n Bart“, dachte er sich und schnitt ihn sich ab – bis auf den Schnurrbart. „Soldaten tragt den Bart, nach des Kaisers Art!“ hieß es fortan. Und so hat noch heute etwas einen langen Bart, wenn es als veraltet gilt.

Der Herrendutt als Nachfolger des preußischen Pickelhelms

Dass die Vollbartmänner des Jahres 2014 auch wieder ihre feminine Seite entdecken wollen, zeigen sie mit ihrem „Herrendutt“. Möglicherweise wollen sie aber auch noch wilder dadurch wirken: Der römische Schriftsteller Tacitus berichtet von den Kriegern des germanischen Stammes der Sueben. Diese kämmten sich die Haare seitwärts und banden sie auf dem Scheitel zu einem Knoten hoch, dem sogenannten Suebenknoten – eine Art Vorläufer des preußischen Pickelhelms. Sie wollten dadurch im Kampf größer und eindrucksvoller wirken.

Diese Wirkung scheint heute außer bei einem gewissen Zlatan Ibrahimovic verpufft. Nur 20 Prozent der befragen Frauen von heute finden den Herrendutt sexy. Damit fällt die Prognose über sein Fortbestehen nicht schwer: Beim Herrendutt wird der Bart bald ab sein.