Geschichtliche Essenz No.135 – Heute vor 100, 50 und 25 Jahren!

GB.6

 

4. JULI 1914

Das seit dem 22. Juni in Kiel zu Besuch weilende Geschwader der britischen Kriegsflotte unter Kommandant George Warrender tritt seine Rückreise an. Es hatte anlässlich der Kieler Woche in dem deutschen Marinestützpunkt angelegt.
Norman Brookes (Australien) besiegt im Endspiel der offenen englischen Tennismeisterschaften in Wimbledon den neuseeländischen Titelverteidiger Anthony F. Wilding in drei Sätzen. Siegerin im Dameneinzel wird die Britin Dorothea Lambert-Chambers.
In Lyon gewinnt der deutsche Automobilrennfahrer Christian Lautenschläger auf Mercedes-Benz den Großen Preis von Frankreich.

4. JULI 1964

Maria Esther Bueno (Brasilien) wird durch ein 6:4, 7:9, 6:3 gegen Margaret Smith (Australien) Wimbledonsiegerin.
Die Hafenarbeiter in der kubanischen Hauptstadt Havanna weigern sich, Fleisch für den Export nach Italien zu verladen, da Kuba unter akuter Fleischknappheit leidet. Zweihundert Personen werden verhaftet, später jedoch mit einem strengen Verweis wieder freigelassen, da man eine Ausweitung der Unruhen befürchtet.
Der sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita S. Chruschtschow beendet seinen am 16. Juni angetretenen Staatsbesuch in Dänemark, Schweden und Norwegen. Chruschtschow der in Skandinavien seinen Wunsch nach besseren gegenseitigen Beziehungen zum Ausdruck brachte, wurde von der Bevölkerung und den Staatsführern eher mit Zurückhaltung empfangen.

4. JULI 1989

In der Sowjetrepublik Litauen wird ein Gesetz über private Landwirtschaft erlassen, nach dem Bauern bis zu 50 ha Land selbständig bearbeiten und auch vererben dürfen.
Der Oberste Sowjet in Moskau lehnt erstmals per Abstimmung einen vom Regierungschef vorgeschlagenen Ministerkandidaten ab, nachdem Ende Juni schon in den Ausschüssen einige Bewerber zurückgewiesen worden waren. Zwei weitere Bewerber erleiden am 5. und 10. Juli Abstimmungsniederlagen.
Eine führerlose sowjetische Militärmaschine vom Typ MiG 23 überfliegt die DDR, die Bundesrepublik Deutschland und die Niederlande und stürzt in Belgien auf ein Wohnhaus. Ein 18-jähriger wird dabei getötet.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) legt in Bonn den Verfassungsschutzbericht 1988 vor, in dem eine Zunahme des Rechtsextremismus verzeichnet wird. Dennoch bleibe ein “Übergewicht der vielfältigen Aktivitäten linksextremistischer Organisationen”.

Wissensessenz No.25 – Warum wir den gesunden Menschenverstand brauchen?

18.05.14 - 1

Führungskräfte, die dem gesunden Menschenverstand vertrauen, unterscheiden sich von anderen, die vorwiegend auf antrainierte Managementmethoden setzen, vor allem darin, dass sie ihre Arbeit um das entscheidende Maß „persönlicher” nehmen, intuitiv handeln und niemals mittelmäßig sind. Arbeit und Leben gehören für sie zusammen.

In einer unübersichtlichen Zeit und offenen Gesellschaft, in der vieles aus den Fugen gerät, wo Chancen vergeben werden, sich auch abzugrenzen, um das Eigentümliche und Eigensinnige zu bewahren – in einer solchen Zeit ist eine Rückbesinnung auf den gesunden Menschenverstand, der direkt zu Herz und Sinn spricht, nötig und nützlich. „Gesund” steht hier für „natürlich” im Sinne von „intuitiv, emotional” – mit Verstand (von „verstehen” von althochdeutsch „firstȃn”, im Sinne von „dicht davor stehen”), der hilft, Dinge zu erkennen und zu begreifen.

Es braucht einen Maßstab, um den eigenen Kurs im Leben festzulegen, der hilft, die eigene Existenz neu auszurichten. Viele versprechen Orientierung, aber niemand kann sie geben, weil sie nur von innen kommen kann – genauso wie Motivation, soziales Gewissen und Menschlichkeit. Der gesunde Menschenverstand hilft, mit den Anforderungen moderner Führung besser umzugehen. Damit verbunden ist auch die Erkenntnis, dass Informationen kein Machtinstrument und Statussymbol mehr sind, um einen Platz in der Hierarchie zu sichern oder zu erhalten. Charakter und Persönlichkeit sind heute wichtiger als Wissen. Beides ist aber nur zu haben, wenn der Instinkt dafür nicht verlorengeht, was richtig ist. Wer sich auf sein Inneres verlässt, ist auch in der Lage, das Richtige zu tun.

Das „Innerste” ist das Herz, weil es das Zentrum der Gefühle ist, wo Leben und Liebe ihren Anfang nehmen. Schon in der Bibel heißt es in 1. Samuel 16, 7: „Denn nicht sieht der Herr auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an.” Literarische Unsterblichkeit erlangte der berühmte Satz von Antoine de Saint-Exupéry, dem Autor des Kleinen Prinzen: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.”

Es ist für die Augen nicht zu sehen, aber es ist spürbar, es geht uns an – es ist der „Stoff”, aus dem das Leben ist. Der Begriff „gesunder Menschenverstand” geht wie „Gemeinsinn”, die französischen Pendants „bon sens” und „sens commun” sowie der englische „common sense” auf den lateinischen Terminus‚ „sensus communis” zurück. Er ist eine Übersetzung des von Aristoteles geprägten Begriffs „koine aisthesis” – ein innerer Sinn mit Sitz im Herzen, der die verschiedenen Informationen der Einzelsinne zusammenfasst und beurteilt.

Kann jemand eine gute Führungskraft sein, wenn er kein großes Herz hat? Wenn ihm die Gabe fehlt, es „sprechen” zu lassen, es in seine Gestaltungen einzuschließen? Wohl kaum. Großes hinterlassen können nur Menschen mit einer intensiven Hingabe – an Menschen, ihre Gedanken, an das, was sie tun und an ihre Vision. Sie sind intuitiv und dennoch inspiriert. Ohne es zu wissen, schreibt Jay Elliot über Steve Jobs, befolgte der Apple-Gründer den Rat Einsteins: „Folge dem Mysteriösen.” Auch in Bewerbungsgesprächen waren ihm Talent, Leidenschaft und Spürsinn wichtiger waren als die Tatsache, dass Technologie in der bisherigen Arbeit der Bewerber kein Schwerpunkt gewesen war.

„Ich wundere mich oft und bin auch oft bestürzt, wie wenig Menschen im täglichen Leben ihren gesunden Menschenverstand einsetzen. Vielleicht kommt das daher, dass wir schon viel zu sehr ans ‚Folgen’ gewöhnt sind und nicht mehr selbst die Richtung bestimmen (wollen und/oder können). Sicherlich ist es nicht leicht, manche Entscheidungen zu treffen. Aber es gibt doch eigentlich fast immer die Möglichkeit, einmal ‚eine Nacht darüber zu schlafen’ und dann Bauch, Herz und Verstand gemeinsam entscheiden zu lassen. Aus diesem Grund wundern mich viele Diskussionen nicht, die wir täglich führen oder die geführt werden – beispielsweise in der Politik oder auch zu gesellschaftlichen Themen”, sagt Claudia Silber, Leiterin Unternehmenskommunikation bei der memo AG in Greußenheim.

In der Moralphilosophie des deutschen Aufklärungsphilosophen Immanuel Kant spielt der gesunde Menschenverstand eine wichtige Rolle, denn in Fragen der Moral urteile dieser oft richtiger als die Wissenschaft. Ihn zu besitzen sei ein Geschenk des Himmels. Kant formuliert drei Maximen für den erfolgreichen Gebrauch des gesunden Menschenverstands:

1. „Selbstdenken”
2. „An der Stelle jedes andern denken”
3. „Jederzeit mit sich selbst einstimmig denken”

Es ist kein Zufall, dass heute vor allem Bücher wie „Selbstdenken. Eine Anleitung zum Widerstand” (2013) von Harald Welzer den Nerv unserer Zeit treffen. Sie sind eine großartige Unterstützung, mehr auf den gesunden Menschenverstand zu bauen, um innerlich stabil zu bleiben und auf „echte” Persönlichkeiten zu setzen, bei der Sein und Tun wie zwei Muschelschalen aneinander gelötet sind. Diese Menschen fallen heute vor allem deshalb auf, weil es so wenige von ihnen gibt.

Ein aktuelles Beispiel für das Gegenteil findet sich im Beitrag „Mit durchgedrücktem Kreuz” (DIE ZEIT, 12.6.2014), in dem der Teammanager der deutschen Nationalmannschaft Oliver Bierhoff porträtiert wird. Es heißt darin, dass er nicht zu durchschauen ist, zum Greifen nah wirkt und doch so fern ist. Und er sich oft fragt, warum anderen die Sympathien einfach zufliegen und er sich immer wieder neu „beweisen” muss. In diesem Wort liegt schon die erste Schwierigkeit: der eigene Druck, gefallen zu müssen, einem Muster zu entsprechen. Bierhoff betont, dass er lange braucht, um vom „Managertypus” zum „Menschen” umzuschalten. Das ist die Bruchstelle: Menschen spüren, wenn jemand nicht 1:1 ist und zeigen das auch. Mediengeschulte glatte „Managertypen”, die sich möglichst nicht in rhetorische Gefahrenzonen begeben, werden in einer Gesellschaft, die sich selbst immer wieder erneuern muss, um zukunftsfähig zu sein, nicht gebraucht. Nur „echte” Menschen sind in der Lage, sich selbst und andere zu bewegen.

Herzschlagdestillat No.28 – Wer genau sagte was?

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“AUF KEINEN GRÜNEN ZWEIG KOMMEN!”

Hiob (Job) wohl 6. Jahrhundert vor Christus

Unglück galt früher oft als Strafe Gottes. Im Buch Hiob des Alten Testamentes wird diese Auffassung durch drei Freunde Hiobs vertreten, die ihm wortreich klarzumachen versuchen, dass alle seine Leiden eine Konsequenz seiner Sünden sein müssen. Unter anderem sagen sie, dass der Gottlose auch wirtschaftlich nichts erreichen werde. “Sein Palmzweig wird nicht ergrünen!” hieß es im Original.