Wahrheit ist eine Frage der Wahrnehmung

Warum verlieren klassische und etablierte Medien scheinbar zunehmend an Glaubwürdigkeit und wie ist der synchrone Aufstieg alternativer Medien zu deuten?

Der römische Autor Aulus Gellius prägte einst das Zitat „Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit“, was so viel bedeutet wie, dass früher oder später die Wahrheit ans Licht kommt. Die antike Weisheit beinhaltet einen sehr wahren Kern.

Leider wissen wir in einer zunehmend komplexeren Zeit mit verschiedensten Quellen und einem Glaubwürdigkeitsverlust von Autoritäten und Experten immer weniger wer und welche Quelle vertrauenswürdig ist.

Dazu kommt noch, dass durch Social Media Plattformen wie Facebook oder YouTube jeder zum Medienmacher werden kann und somit die öffentliche Meinung durch die Produktion oder Verbreitung von Informationen mit unterschiedlicher Qualität und Tiefe beeinflussen kann.

Nicht ohne Grund und mit einem marketingtechnischen Gespür für die Bedürfnisse der Zeit finanziert Red Bull Chef Dietrich Mateschitz eine Rechercheplattform mit dem passenden Titel „Quo Vadis Veritas?“ sprich „Wohin gehst du, Wahrheit?“.

Wahrheit ist eine Frage der Wahrnehmung

Eine Definition des Begriffes Wahrheit ist die Übereinstimmung mit der Wirklichkeit, einer Tatsache oder einem Sachverhalt. Untrennbar damit verbunden, gerade wenn es beispielsweise Berichterstattungen und journalistische Arbeit betrifft, sind Wahrnehmungen, die wir Menschen mit unseren Sinnesorganen empfinden.

Dies ist wiederum unwillkürlich mit dem Thema der Objektivität und Subjektivität assoziiert, was uns zu einer weiteren Definition bringt: Der Übereinstimmung mit einer normativ als richtig ausgezeichneten Auffassung oder eigenen Überzeugung.

Ersterer verdankt der Journalismus seinen schlechten Ruf vor allem dann, wenn etwas, das in der Gesellschaft lange Zeit als richtig aufgefasst wurde, plötzlich einem Wandel unterliegt. In diesem Fall wird das, was berichtet wird von einem Tag auf den anderen schlichtweg als falsch wahrgenommen, Fake News sozusagen.

Weiters werden verschiedenen Tageszeitungen von den Bürgern relativ eindeutig bestimmte politische Gesinnungen attestiert, ob wahr oder nicht sei dahingestellt. Auch in der Wissenschaft existiert nicht nur eine Wahrheit, die alles zu erklären vermag. Je nach Forschungsdisziplin nähert man sich der Realität mit verschiedenen Methoden an und kommt je nach fachlichem Ansatz oft zu verschiedenen Erkenntnissen.

Annäherung an die Lebenswirklichkeit der Menschen

100% Objektivität existiert nicht beim Menschen. Wahrnehmung und Werte sind stark subjektiv. Wichtig ist, dass Medien sich der Lebenswirklichkeit der Menschen annähern und sie dort mit ihren Informationen abholen.

Das ist ein differenzierter, didaktisch und auch pädagogisch anspruchsvoller Prozess. Beim Thema Fake News und alternative Fakten geht es auch stark um Akzeptanz und Befindlichkeiten. Hier reicht das lineare Herunterbeten von Fakten nicht aus.

Wissen ist auch Emotion und nur wenn man diese glaubhaft anspricht, kann man mit differenzierteren gesellschaftlichen Zusammenhängen eine Wirkung, einen Lernprozess sowie eine kognitive Weiterentwicklung bei den Rezipienten in Gang setzen.

Ein guter Journalist kann sein Wissen so präsentieren und aufbereiten, dass auch die konnotative emotionale Ebene mitschwingt und nicht nur die rein denotative Sachebene. Medienkonsumenten müssen sich und ihre Meinungen in den Medien wiederfinden und nicht Aussagen von Experten.

Dazu wäre ein stärkeres „ins Feld gehen“ von Vertretern der Medien durchaus sinnvoll und sogar ein therapeutischer Prozess für beide Seiten, den Medienproduzenten und den Konsumenten. Abschließend ist festzuhalten, dass jeder in seiner subjektiven Realität lebt und dass das Thema Wahrheitsfindung ein mehrdimensionaler vielschichtiger Annäherungsprozess ist bei dem eine gewisse Unschärfe zu berücksichtigen ist.