„Das Buch ist rot!“

Im Fach Sozialwissenschaften hielt unser Herr Professor heute ein schwarzes Buch in die Höhe und sagte:

„Dieses Buch ist rot!“.

Die ganze Klasse rebellierte, protestierte und rief einstimmig:

„Nein. Das Buch ist schwarz!“.

Der Herr Professor beharrte auf seiner Ansicht und rief:

„Doch, doch, das Buch ist aber rot!“.

Die Klasse wiederholte nochmals:

„Nein, nein, das ist nicht richtig!“.

Da drehte der Herr Professor das Buch um und die Rückseite war rot. Der Herr Professor blickte in die betretenen Gesichter der Klasse und sagte:

„Sage niemals jemanden, er liege falsch, solange Du die Dinge nicht aus seiner Perspektive gesehen hast!“

 

 

Umgang mit Perfektionisten

Je nach eigener Persönlichkeit fällt der Umgang mit bestimmten anderen Menschen leichter oder schwerer, einige Kombinationen funktionieren eben besser als andere. Wenn jemand in Deinem nahen Umfeld, oder vielleicht sogar Du selbst, perfektionistische Züge hat, dann kannst Du sicher ein Liedchen davon singen.

Was man über das perfektionistische Muster wissen muss

Ein gängiges Missverständnis drückt auf die Stimmung, nämlich, dass Perfektionisten pessimistisch seien. Aber Du musst verstehen, dass sie keinesfalls negativ sein wollen. Im Gegenteil: Der Perfektionist ist ein Idealist, ein Reformer. Sein Anspruch ist hoch und sein Verhalten durch die Suche nach einer positiven Optimal-Lösung, einem 100% Ergebnis, motiviert. Er möchte die Welt verbessern und Vorbildcharakter haben, indem er die Dinge „richtig“ macht. Fehlersuche ist viel mehr der Weg zu diesem Ziel als Selbstzweck. Es ist deshalb überhaupt nicht zielführend, ihm böse Absicht zu unterstellen oder seine Kritik persönlich zu nehmen. Denn er meint es gut und gibt immer, aber auch wirklich immer, sein Bestes, um auf seine eigene Unvollkommenheit einzuwirken. Die perfektionistische Intention ist nobel, werteorientiert und edelmütig.

Was Du unbedingt vermeiden solltest

Goldene Regel Nummer 1: Sätze wie „Mach Dich doch mal locker!“ oder „“Sei doch nicht so negativ!“ schütten Öl ins Feuer der Unzufriedenheit, auf beiden Seiten. Die meisten Perfektionisten reagieren empfindlich darauf, als ernst, überkritisch oder engstirnig bezeichnet zu werden, denn am allerschärfsten kritisieren sie sich selber. Auf der anderen Seite bringen überschwängliche Positivität, platte Aufmunterungsversuche oder undifferenziertes Lob genauso wenig. Der Perfektionist möchte realistisch betrachtet und ernst genommen werden. Ein naives „Das wird schon wieder!“ oder ein einfaches „Ist doch alles super!“ empfindet er fast als eine Beleidigung. Zumindest fühlt er sich veräppelt und wird misstrauisch.

Aufrichtiges Verhalten ist die Lösung

An sich selbst stellt der perfektionistische Mensch noch mal höhere Anforderungen als an andere. Ist sein Ziel erreicht, hebt er die Messlatte sofort weiter an. Das ist anstrengend. Für ihn selbst noch viel mehr als für alle anderen. Dafür solltest Du Verständnis und Achtung aufbringen. So wird die Beziehung zu einem Perfektionisten vor allem durch ehrliches und bedachtes Verhalten positiv beeinflusst. Es ist wichtig, Grenzen zu wahren und differenziert nachvollziehbare Wertschätzung auszudrücken. Achte also auf der Ebene Deines Verhaltens und Deiner Kommunikation besonders auf folgende Punkte.

Mache Dir die gute Absicht des Perfektionisten deutlich. Verstehe seine Kritik als Versuch zu helfen.
Stelle offene Fragen. „Welchen Weg zum Ziel würdest Du vorschlagen?“ oder „Welche Gedanken hast du Dir zu dem Thema bereits gemacht?“
Sprich konkret und sei ehrlich, sage nur, was Du wirklich meinst und frage vorm Feedback geben um Erlaubnis.
Lobe angemessen und mit konkreter Begründung bzw. Beispielen.
Stehe offen zu Deinen Fehlern.
Kritisiere niemals seine Identität, sondern triff Selbstaussagen wie „Ich fühle mich minderwertig, wenn…“ oder „Ich habe Angst, dass…“.
Widerspreche nicht. Hinterfrage stattdessen konstruktiv („Was wäre wenn?“), lobe das Erreichte und entwickele von dort aus in gemeinsamem Austausch weitere Ziele und Lösungen.
Streue realistische positive Möglichkeiten und Entwicklungschancen ins Gespräch ein und begründe sie sachlich.
Zeige leichten, ganz entspannten Humor.
Halte Dich an Vereinbarungen, sei pünktlich und höflich.
Und wenn Du Dich selber als jemanden identifizieren kannst, der ein perfektionistisches Muster hat, dann erst einmal: DANKE. Durch prinzipientreue Idealisten wie Dich wird die Welt zu einem besseren Platz. Keine Schleimerei, ist so.

Aber wahrscheinlich sehnst Du Dich manchmal danach, loslassen zu können, großzügiger und zufriedener zu sein, das Leben ohne Druck und überhöhten Anspruch genießen zu können, oder?

„Wer selbst sehr offen für positive Erfahrungen ist, strahlt das nach außen aus.“

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