Burnout eine Modekrankheit? Was es wirklich bedeutet, ausgebrannt zu sein.

Es heißt, Burnout sei die Epidemie des 21. Jahrhunderts. Das ist falsch. Richtig ist, Burnout ist nicht ansteckend und kann jeden treffen. Hausfrauen, die ihre Angehörigen jahrelang aufopfernd pflegen, Sozialarbeiter, die hingebungsvoll Bedürftigen helfen, Feuerwehrleute und Polizisten, die ihr Leben riskieren, sie alle können ebenso wie Manager mit überquellenden Terminkalendern an Burnout erkranken.

Burnout ist keine Modeerscheinung. Es ist eine Krankheit, ein kontinuierlicher Raubbau an sich selbst. Im Mittelpunkt des Selbstverständnisses steht die Arbeit. Sie ist die Daseinsberechtigung, frei nach dem Motto: „Ich arbeite, also bin ich.“

Der Krankheitsverlauf der Selbstausbeutung ist schleichend und erstreckt sich über mehrere Phasen: Anfangs sind Motivation und Engagement überbordend, der Enthusiasmus unbegrenzt und der Idealismus ungebrochen.

Wenn jedoch die Ressourcen in keinem Maße den Anforderungen genügen, der unbändigen Einsatzbereitschaft keine Grenzen gesetzt werden und das Engagement keine würdige Beachtung findet, ist der Weg in die Krankheit vorgezeichnet.

Je höher die Erfolgskurve ist, desto steiler endet der Abstieg in Frustration und Resignation. Vor dem Abstieg werden die Warnsignale verdrängt: nachts wach liegen und grübeln, morgens gerädert aufwachen, tagsüber ermattet vor dem Bildschirm in die Leere starren, abends daheim die nicht endende Flut von Mails abarbeiten.

Eine individuelle Grenzerfahrung

Irgendwann erlahmt die Antriebskraft, Kreativität und Produktivität schwinden, die Lust versiegt, der Humor vergeht, die Lebensfreude erlischt. Für soziale Aktivitäten bleibt keine Zeit, für Sport keine Kraft.

Die Person, die man einmal war, ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Und das Selbst ist wie eine Kerze an beiden Enden erloschen. Zurück bleibt ein ausgebrannter Mensch, dem der Lebenssinn abhandengekommen ist.

Der/die Ausgebrannte ist sich selbst und anderen fremd geworden. Er ist ein Heimatloser, der nicht mehr die Kraft aufbringt, sich in die Arbeit zu stürzen. Burnout ist eine individuelle Grenzerfahrung, die den Menschen an den Rand seiner selbst bringt.

Um die Arbeit, als vormaligen Lebensmittelpunkt, hat sich eine ausufernde Leere gebildet, in der der Betroffene zu ertrinken droht. Am Ufer stehen Familienangehörige, Freunde und Kollegen hilflos und verzweifelt, ihre Warnrufe und Bitten bleiben unerhört.

Spätestens dann, wenn die Batterien zur Neige gehen, die Anerkennung und Wertschätzung ausbleiben und ihnen das Steuer entgleitet, landen Menschen mit Burnout als Patienten in der Klinik.

Die geistige, emotionale und körperliche Leere ist zum totalen Erschöpfungszustand geworden. Wenn Menschen ihren Selbstwert, ihre Identität und ihre Daseinsberechtigung ausschließlich über die Arbeit beziehen, machen sie sich von ihr abhängig.

Burnout ist daher der fatale Tiefpunkt der Arbeitssucht.

Intelligenz und Vernunft

Intelligenz ist die Fähigkeit, gespeicherte Informationen zum Zwecke der Lebenserhaltung anzuwenden. Sie ist die Grundvoraussetzung des Lebens. Die einfachsten Organismen verfügen über eine gigantische Menge an Informationen. Sie verfügen über ein neuronales Netz.

Darin findet der Austausch von Informationen statt. Ganz allgemein kann man diesen Austausch als Intelligenz definieren. Unsere bisherigen Kenntnisse der mathematischen Kybernetik über vernetze Systeme, erschienen uns hierbei geradezu als rudimentär, bestenfalls als eine Art erste Ermutigung zur Erklärung von lebenden Systemen.

Die Datenmenge ist so riesig und die Beziehungen so komplex, dass man sie eher mit einem Ozean voller Informationen vergleichen könnte. Im Nanobereich arbeiten neuronale Kraftmaschinen auf lebenden Datenspeicher. Sie organisieren hochkomplexe Abläufe. Dieses Miteinander erscheint uns dann im makroskopischen Raum als Leben.

Nun gibt es noch die Evolution. Sie ist die Grundvoraussetzung für hoch entwickeltes Leben. Die Evolution setzt die Existenz geeigneter Lebensräume voraus. Diese haben wir auf der Erde in vielfältigster Weise vorgefunden. Simpel gesagt, liefert die Erde die Brutkästen, in denen das Leben aufwächst. Wir sind also das Produkt der Erde.

Unsere Gestalt, die molekulare Zusammensetzung, die Energiekreisläufe, ja sogar unsere geistigen Fähigkeiten sind hochspezifisch mit der Erde verknüpft. Werden wir von ihr getrennt, ergreift uns eine ungeheuere emotionale Sehnsucht. Das spüren alle Kosmonauten, wenn sie den erdnahen Raum verlassen.

Gleichsam wie ein Kind, dass von der Mutter getrennt wird. Nun hatte die Evolution eine ungeheuere Zahl an Arten entwickelt. Dabei wirkten vollkommen analoge Bedingungen auf die Lebewesen.

Wir bezeichnen sie als Biotope. In den Biotopen kommt es auf das vernünftige Zusammenleben aller Organismen an. Vernunft ist das Leitmotiv der Biotope, nur so ist ein abgestimmtes miteinander möglich. Alle sind aufeinander angewiesen und bewegen sich auf ein Optimum zu. Wenn für die Entstehung des Lebens die Intelligenz eine Grundvoraussetzung war, so sind es für die Entstehung von Arten die Biotope.

Die Haupttriebkraft der Evolution in den Biotopen ist die Fähigkeit des Lebens sich selbst zu reproduzieren. Deshalb sind Sterben und die Vermehrung fundamentale Voraussetzungen für das entwickelte Leben. Aus Sicht eines Kybernetikers könnte man die Fortentwicklung der Artenvielfalt wie den Neustart am Computer begreifen.

Nun sind die Lebewesen weit aus komplexer. Wir dringen mit unseren Computern in diesen riesigen Raum an Informationen ein. Mag sein, dass unsere Computer noch ganz primitive Dampfer sind. Wir haben aber diese neue Welt entdeckt, soll heißen, wir sind auf dem Weg zur unserer Seele in eine ganz neue Welt eingedrungen.